Was sagt die Forschung

Alle mit dem Essen aufgenommene Kohlenhydrate werden vom Körper in Glukose (Traubenzucker) umgewandelt und ins Blut abgegeben. Die Konzentration der Glukose im Blut ist dann der messbare Blutzucker-Wert. Steigt der Blutzucker nach einer Mahlzeit, produziert die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin. Das sorgt dann dafür, dass die Muskeln und Organe ausreichend Glukose aufnehmen können, wodurch der Blutzuckerspiegel wieder auf Normalmaß sinkt.

Bewegungsmangel ist deshalb „Gift“ für Diabetiker. Denn mit der Zeit schwindet die Fähigkeit der weniger werdenden Muskelzellen, ausreichend Glukose aufzunehmen. Dadurch steigt nach jeder Mahlzeit der Blutzucker übermäßig an. So kommt es zu einer Glukose-Toleranzstörung, der Vorstufe eines Diabetes. Davon spürt man zunächst einmal nichts. Der zu hohe Blutzuckerspiegel zwingt aber die Bauchspeicheldrüse, immer mehr Insulin zu produzieren, um den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. In der Folge reagiert der Körper immer schlechter auf das Insulin, was den Blutzuckerspiegel chronisch erhöht. Das ist dann der Diabetes Typ 2.

Zum Bewegungsmangel gesellt sich meist noch eine unausgewogene Ernährung: zuviel Zucker, zuviel Fett und zuviel Alkohol. Es kommt zu Übergewicht und oft zu weiteren Problemen wie Arteriosklerose, Bluthochdruck und Herzbeschwerden.

Was mehr Bewegung bewirkt

Regelmäßige sportliche Bewegung, die einem auch mal den Schweiß auf die Stirn treibt, aktiviert die Produktion von so genannten Glukose-Transportern. Die Muskelzellen können dadurch mehr Glukose aus dem Blut aufnehmen, wodurch der Blutzuckerspiegel nach Mahlzeiten nicht mehr übermäßig ansteigt.

Darüber hinaus vermehrt sportliche Aktivität die Anzahl kleinster Blutgefäße (Kapillaren) in den Muskeln, wodurch das Insulin besser wirken kann. Angeregt werden außerdem bestimmte Enzyme, die die Speicherung von Glukose in den Muskelzellen verbessern. Nicht zuletzt erhöht sich die Fähigkeit des Körpers, Fett zu „verbrennen“, und die Blutfettwerte normalisieren sich.

Studien

Damit der Körper Zucker besser verarbeiten kann, braucht er ausreichend Muskelmasse. Doch wie bekommt man die am besten? Durch ein Ausdauertraining oder durch Krafttraining?

Eine Studie der Louisiana State University aus dem Jahr 2010 befasste sich mit rund 260 Typ-2-Diabetikern, die einen eher bewegungsarmen Lebensstil verfolgten. Sie waren im Schnitt Mitte 50 Jahre und hatten seit rund neun Jahren Diabetes. Unter ihnen wurden drei Gruppen gebildet: Die erste Gruppe betrieb neun Monate lang dreimal in der Woche jeweils 50 Minuten leichten Ausdauersport (schnelles Gehen). Die zweite Gruppe absolvierte in dieser Zeit ein Krafttraining (verschiedene Übungen an Geräten mit 10 bis 12 Wiederholungen), die dritte Gruppe walkte jeweils etwa 40 Minuten lang und hängte noch ein wenig Krafttraining an (etwa ein Drittel des Pensums der zweiten Gruppe).

In allen drei Gruppen konnte am Ende eine deutliche Senkung des HbA1c-Wertes gemessen werden, die bei der dritten Kombinations-Gruppe jedoch mit Abstand am höchsten ausfiel. Am besten für Typ-2-Diabetiker ist also eine gut abgestimmte Mischung aus Kraft- und Ausdauersport.

In einer weiteren Studie wurden die Gruppen angehalten, zusätzlich ihre Essgewohnheiten auf eine ausgewogene Ernährung umzustellen, wodurch sich das Ausmaß der Senkung des HbA1c-Wertes jeweils verdreifachte.

Wie oft, wie viel?

Gemäßigter Ausdauersport hat einen außerordentlich positiven Einfluss auf den Glukosestoffwechsel hat. Gemäßigt heißt, dass die Belastung 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz nicht übersteigen sollte. Das ist in etwa der Fall, wenn man sich beim Joggen oder Walken noch ohne Anstrengung unterhalten kann.

Allerdings sollte die Belastung auch über 30 Prozent der maximalen Herzfrequenz liegen, was bei Alltagsverrichtungen meist nicht der Fall ist. Man muss also auch mal ein wenig ins Schwitzen geraten. Hinzukommen sollte auf jeden Fall stets ein wenig Krafttraining.

Allgemein empfohlen werden wöchentlich zwei Stunden sportliche Aktivitäten, die einen auch mal tüchtig ins Schwitzen bringen. Da sich Typ-2-Diabetiker wegen Übergewicht und oft schon bestehenden Bluthochdruck- und Herzproblemen keinesfalls überlasten dürfen, ist es ratsam, sehr vorsichtig in ein sportliches Training einzusteigen.

Dringend empfohlen ist deshalb zuvor ein ärztlicher Belastungstest sowie die Teilnahme an einer professionell geführten Diabetes-Sportgruppe.

 

 

Quellen

aerzteblatt.de: Diabetes: Sport senkt Langzeitblutzucker. Ausgabe 24.11.2010

Halle, Martin Johannes: Diabetes mellitus Typ 2 – Bedeutung körperlicher Aktivität. In: Medicalsports Network, 1/2006

M. Siegrist u.a.: Bewegung macht Schule – Wirksamkeit und Umsetzbarkeit der Bewegungsschulung DiSko bei Typ-2-Diabetikern. In: Diabetologie und Stoffwechsel. 2/2009

Peter Zimmer: Umsetzung der Leitlinie Diabetes und Sport in die Praxis. Symposium der AG Diabetes und Sport anlässlich des DDG-Kongresses 2008

Wolf-Rüdiger Klare: Bewegung gehört dazu wie das Zähneputzen. In: MMW – Fortschritte der Medizin 19/2007

 
 

Olympia Partner

Sport für Alle Partner

Olympia Partner

Sport für Alle Partner