Was sagt die Forschung?

In der medizinischen Rehabilitation von Krebspatienten hat ein Umdenken stattgefunden. Weniger absolute Bettruhe und Schonung als individuell angepasste Bewegungstherapie bis hin zur gezielten sportlichen Bewegung in der Nachsorge sollen die Genesung unterstützen.

Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) zeigen immer mehr Studien, dass gezielte Krankengymnastik sogar schon im Krankenbett helfen kann, Einschränkungen der Beweglichkeit in der Folge einer Operation zu vermeiden und anhaltenden Erschöpfungszuständen vorzubeugen. Belegt ist nicht zuletzt die positive Wirkung von körperlicher Aktivität auf das seelische Befinden von Krebspatienten.

Sport schon während der Chemo?

Bereits in den 1990er Jahren konnte eine Studie der Universität Freiburg zeigen, dass ein tägliches, 30-minütiges Training mit einem speziellen Bettfahrrad schon während einer Chemotherapie helfen kann, das Ausmaß der damit verbundenen Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) in Grenzen zu halten. Die „trainierten“ Patienten fühlten sich außerdem insgesamt stabiler. Sie litten weniger unter den Nebenwirkungen der Behandlung und waren weniger angstvoll.

Von einer allgemeinen Empfehlung für alle Krebspatientinnen und -patienten ist man jedoch weit entfernt. Es bleibt in jedem Einzelfall zu entscheiden, ob, wann und wie viel welcher Art von Bewegung gut tut.

Für den Körper und die Seele

Die Forschung hat heute keinen Zweifel mehr daran, dass auf Ausdauer angelegte sportliche Aktivitäten das Herz-Kreislaufsystem stabilisieren. Das Körpergefühl und die Bewegungsfähigkeit verbessern sich insgesamt, das körperliche Abwehrsystem wird weniger anfällig.

Bei Krebspatienten ist oftmals das Zutrauen in den eigenen Körper tief erschüttert. Erschöpfung und Niedergeschlagenheit machen schnell mutlos und lassen den Gedanken an Bewegung oder gar sportlicher Aktivität vollkommen abwegig erscheinen. Man weiß jedoch, dass – ist die erste Antriebshürde erst genommen – Sport und Bewegung Ängste und depressive Verstimmungen rasch verscheuchen können.

Mit der Erfahrung, dass der Körper durch jedes Training kräftiger und leistungsfähiger wird, nimmt auch das Selbstvertrauen zu. So steigt die Lebensqualität. Nicht zuletzt wirken sich Sport und Bewegung nachweislich positiv auf die Gedächtnisfähigkeit aus.

Schutz vor Rückfällen?

Dass sportliches Aktivsein das Risiko für das Wiederauftreten einer Krebserkrankung senken kann, ist bis heute nicht eindeutig belegt. Gleichwohl hat sich etwa bei älteren Brustkrebspatientinnen gezeigt, dass bei unverändert starkem Übergewicht und wenig Bewegung das Rückfallrisiko erhöht ist. Ähnliches gilt für Darmkrebspatienten.

Es liegt auf der Hand, dass ein körperlich und seelisch halbwegs ausgeglichener Mensch besser vor Krankheiten geschützt ist, als ein geschwächter und gestresster Mensch. Gegen Krebs gibt es jedoch leider keine letzte Versicherung.

Worauf achten?

Jeder Krebspatient fühlt sich anders und dies auch nicht immer gleich. Schmerzen, Gewichtsverlust und die Folgen einer Bestrahlung können zeitweise jede innere Bereitschaft zu körperlicher Aktivität sabotieren. Deshalb ist es wichtig, sich stets mit dem behandelnden Arzt zu besprechen und auch auf die eigene innere Stimme zu hören.

  • Bei einer behandlungsbedingten Anämie („Blutarmut“) etwa muss die körperliche Belastung an den verringerten Sauerstofftransport angepasst werden.
  • Bestrahlte Hautstellen sollten nicht der Sonne ausgesetzt werden. Wichtig ist auch, sie vor der Belastung durch Schweiß und scheuernde Kleidung zu schützen.
  • Sport und Bewegung sollten überdies nicht zu viele Kalorien verbrauchen, wenn der Körper ohnehin schon durch starke Gewichtsverluste geschwächt ist. Auch wenn der Krebs fortgeschritten und keine vollständige Heilung möglich ist, können patientengerecht gestaltete körperliche Aktivitäten nachweislich dem allzu raschen Kräfteverlust entgegenwirken und die Seele positiv stimulieren.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Bewegungsangebote in Ihrer Nähe, oder erkundigen Sie sich bei Ihrem Landessportbund!

Quellen

Deutsche Krebshilfe e. V. (Hrsg.): Bewegung und Sport bei Krebs. Die blauen Ratgeber Bd. 48. Stand 6/2010

Deutsches Krebsforschungszentrum/ Krebsinformationsdienst: Sport und Bewegung: Unterstützung für Krebspatienten. Stand 11/2010

 
 

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