Potenz - was sagt die Sportmedizin?

Mann spricht nicht gern darüber. Verständlicherweise. Trotzdem ist es gut zu wissen, dass Sport gut ist für die Potenz. Mit gezielten Übungen lässt sich sogar etwas gegen schon bestehende Schwierigkeiten unternehmen.

Gesicherte Zahlen gibt es nicht, wie bei allen Tabuthemen. Aber man schätzt, dass zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr gut 10 Prozent aller Männer mehr oder minder große Probleme haben, ein für den Geschlechtsverkehr ausreichend steifes Glied (Erektion) zu bekommen. Im sechsten Lebensjahrzehnt sind es schon mehr als ein Viertel, ab 70 dann mehr als die Hälfte. Die „erektile Dysfunktion“, wie die Potenzschwäche in der medizinischen Fachsprache heißt, ist also alles andere als selten.

Die häufigsten Gründe sind rasch aufgezählt: Bluthochdruck, überhöhte Blutfettwerte, Zuckerkrankheit, Übergewicht, mangelnde Bewegung und Rauchen. Also alles, was die Verengung der Blutgefäße (Arteriosklerose) befördert.

Was der Durchblutung schadet...

...schadet auch dem Penis. Aus diesem Grund sind Potenzprobleme oft mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko verbunden. Nicht selten gehen Störungen der Gliedversteifung einer Herzerkrankung voraus. Der Grund: Die Blutgefäße der Penisschwellkörper sind noch empfindlicher und reagieren somit frühzeitiger auf eine Arteriosklerose als die feinen Herzkranzgefäße. Deshalb sollten Männer mit anhaltenden Erektionsproblemen auch ihr Herz untersuchen lassen.

Damit ein Penis steif werden kann, müssen sich seine drei schwammartigen Schwellkörper ungehindert mit Blut füllen können, während gleichzeitig der Blutabfluss für die Dauer der Erektion gedrosselt wird. Nun gehört es zum natürlichen Alterungsprozess, dass die Schwellkörper zunehmend von Bindegewebefasern durchzogen werden, was ihre Blutaufnahmefähigkeit mit der Zeit vermindert. Dass Erektionen im Alter nicht mehr so fest sind wie in jungen Jahren und auch nicht mehr so lange anhalten, ist daher völlig normal.

Kommen allerdings Krankheiten wie überhöhte Blutfettwerte, Zuckerkrankheit, Übergewicht und Bluthochdruck hinzu, verschlechtert sich Blutaufnahmefähigkeit der Schwellkörper übermäßig – und es kommt zu Problemen mit der Erektion.

Sport oder Viagra?

Die Erektionsfähigkeit des Penis ist also in entscheidendem Maße von seiner Durchblutung abhängig. Gleichzeitig kann eine ausreichende Blutversorgung des Penis der übermäßigen Bildung von Bindegewebefasern in den Schwellkörpern entgegenwirken. Daraus folgen zwei logische Konsequenzen: Zum einen: „Use it or lose it“ – auf Deutsch: Gebrauche es oder verliere es. Das heißt, regelmäßige Erektionen beugen Erektionsproblemen vor. Zum anderen lassen sich mit sportlichen Aktivitäten alle wichtigen körperlichen Voraussetzungen für die Durchblutungsfähigkeit des Penis aufrecht erhalten.

Eine Studie des österreichischen Urologen Christian Kratzik zeigt, dass Männer, die durch Sport wöchentlich mindestens 1000 kcal mehr verbrauchen als Nichtaktive, ihr Risiko für Potenzprobleme deutlich senken können. Am größten ist der Unterschied zu sportlich nichtaktiven Männern, wenn zusätzlich 3000 kcal pro Woche verbraucht werden: Das Risiko verringert sich dann um gut 80 Prozent.

Viagra oder vergleichbare Medikamente, die vor allem die Blutversorgung des Penis verbessern, können sicherlich in vielen Fällen helfen. Sport aber ist auf lange Sicht nicht nur oft ebenso effektiv, sondern auch gesünder und vor allem nachhaltiger – und damit deutlich preiswerter.

Und die Radfahrer?

Wer intensiv Rad fährt – insbesondere auf einem Rennrad – weiß, dass nicht selten nach einiger Zeit ein taubes Gefühl im Schritt auftritt. Das liegt daran, dass der Radsattel einen erhöhten Druck auf den Dammbereich ausübt. Dadurch kommt es zu einer Verminderung der Durchblutung der Geschlechtsorgane und dem damit verbundenen Taubheitsgefühl.

Tatsächlich gibt es Hinweise, dass intensiver Radsport das Risiko von Potenzproblemen unter bestimmten Umständen steigern kann. Doch keine Sorge: Wer weniger als 20.000 km im Jahr fährt (das dürfte auf die meisten Senioren zutreffen), einen eher breiten und nach vorn geneigten Sattel wählt und außerdem regelmäßig die Sitzposition wechselt (Wiegetritt), kann nach Herzenslust und ohne Gefahren für seine Potenz weiter radeln.

Bei Problemen: Beckenbodengymnastik

Der Hamburger Urologe Frank Sommer konnte in einer Studie zeigen, dass durch spezielle Laufübungen und Beckenbodengymnastik eine Steigerung der Durchblutung des Penis bei schon bestehenden Erektionsproblemen erreicht werden kann.

Besonders effektiv ist die Kombination aus Intervallbelastungen der Gesäß- und Beinmuskulatur durch Skipping-Übungen und speziellen gymnastischen Einheiten, die den Beckboden kräftigen, beispielsweise das „Beinheben in Seitenlage“. Es braucht allerdings etwas Geduld: Erste Erfolge zeigen sich meist erst nach 4 bis 12 Monaten Training, das mindestens zweimal pro Woche ansteht.

Sex ist gesund!

Zu einem gesunden Lebensstil gehören nicht nur eine ausgewogene Ernährung, genügend Bewegung und eine gewisse Zurückhaltung bei den Genussgiften Alkohol und Nikotin. Auch eine befriedigende Sexualität, und zwar in jedem Alter. Schließlich gibt es nur einen Umstand, unter dem die Geschlechtsorgane noch besser durchblutet werden als beim Sport: Beim Sex selbst.

Wer auch nach dem 50. Lebensjahr ein erfülltes Sexualleben haben möchte, sollte in erster Linie gesund leben. Die schönste Partnerschaft nützt einem nichts, wenn die Blutgefäße nicht mehr mitspielen. Darüber hinaus entscheidet die Beziehungsbereitschaft in hohem Maße, ob und was noch läuft. In einer Studie aus dem Jahr 2001 erwiesen unter den Männern über 50 Jahren jene sexuell am zufriedensten, die sich selbst als fähig beschrieben, in der Liebe Wünsche zu äußern und viel von sich preiszugeben. Sie betrachteten sich als aufgeschlossen und lebten in einer festen Partnerschaft. Und sie fühlten sich gesund.

Quellen

Erektile Dysfunktion als Herzinfarktrisiko. www.aerzteblatt.de/nachrichten/35303/

Mehrbach, Martin/Beutel, Manfred/Brähler, Elmar: Sexualität des alternden Mannes. In: BZgA-Forum 1/2003

Frank Sommer: Prävention der erektilen Dysfunktion durch gezieltes körperliches Training. In: Blickpunkt Der Mann. 1/2004

U.K.: Sport und die Sexualfunktion des Mannes. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. 11/2001

 
 

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