Wechseljahre: Sport hilft!

An Mittelchen und Medikamenten gegen Wechseljahrebeschwerden mangelt es nicht. Sport wird dagegen selten ins Feld geführt. Dabei hilft in den meisten Fällen nachweislich nichts besser.

Auch wenn viel über Wechseljahrebeschwerden geklagt und geschrieben wird, geht ein gutes Drittel aller Frauen ohne Probleme durch diese Zeit. Ein weiteres Drittel hat nur mäßige und gelegentliche Beschwerden, das letzte Drittel sieht sich dagegen durch Hitzewallungen, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen stark in der Lebensqualität eingeschränkt.

Ob eine Frau mehr oder weniger starke Wechseljahrebeschwerden bekommt, ist auch erblich bedingt. Zum Teil ist es individuelles biologisches Schicksal, zum Teil aber auch die Folge eines ungesunden Lebensstils. Nicht zuletzt spielt die Psyche eine wichtige Rolle.

Überdurchschnittlich häufig betroffen sind zum einen übergewichtige Frauen und solche, die unter Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Osteoporose leiden. Zum anderen sind es vermehrt Frauen, die nicht berufstätig, in ihrer Freizeitgestaltung wenig aktiv und mit ihrem Leben insgesamt eher unzufrieden sind.

Ein Teufelskreis

Oft ist nicht klar zu entscheiden, ob die Beschwerden auf die hormonellen Veränderungen der Wechseljahre zurückgehen, oder ob die Belastungen der Hormonumstellung ohnehin bestehende andere Grunderkrankungen nur zusätzlich erschweren.

Klar ist dagegen, dass die Beschwerden oft einen Teufelskreis in Gang setzen. Nicht selten ziehen sich betroffene Frauen sozial zurück. Sie empfinden sich als zunehmend nutzlos und krank, wollen oder trauen sich auch nicht (mehr) sich sportlich zu betätigen und haben unter anderem dadurch mehr Probleme mit Übergewicht und den sonstigen Folgen von Bewegungsmangel: Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Osteoporose. Dies gibt ihnen wiederum nicht nur das Gefühl, immer weniger attraktiv zu sein. Es lässt sie auch zunehmend unter Wechseljahrebeschwerden leiden.

Positive Effekte

Zahlreiche Studien haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Bewegungsmangel erheblich zur Verschlimmerung von Wechseljahrebeschwerden beiträgt. Umgekehrt kann sportliche Bewegung Wechseljahrebeschwerden nicht nur lindern. Häufig verhindert Sport auch, dass sie überhaupt auftreten.

Jenseits des 50. Lebensjahres vermindert sich der tägliche Energieumsatz um etwa ein Viertel. Wer in dieser Zeit seine Ernährungsgewohnheiten an diese natürliche Tatsache nicht anpasst und auch nicht für einen höheren Energieverbrauch durch Sport sorgt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit übergewichtig. Und damit erhöht sich die Belastung durch mögliche Wechseljahrebeschwerden.

Durch die versiegende Östrogenproduktion vermindert sich mit den Wechseljahren der relativ bessere Schutz der Frauen vor Herzkrankheiten. Regelmäßiger Ausdauersport wie Walking, Nordic Walking oder Radfahren kann diese Tatsache weitgehend ausgleichen. Er verbessert die Stoffwechsel- und Blutfettwerte und senkt damit das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen.

Sportliche Bewegung vermindert wissenschaftlich gesichert das Risiko für Darm- und Brustkrebs. Beide Krebserkrankungen treten nicht nur bei bestehendem Übergewicht, sondern auch in der Zeit nach den Wechseljahren vermehrt auf.

Auch eine Osteoporose entwickelt sich meist erst nach den Wechseljahren, in einer Zeit also, in der sich viele Frauen immer weniger sportlich bewegen. Durch gezielte kräftigende Übungen etwa ihm Rahmen von Aerobic- oder Gymnastikkursen kann der Knochenabbau nicht nur aufgehalten, sondern die Knochenneubildung sogar wieder in Gang gesetzt werden. 

Hormonersatztherapie oder Sport?

Bis vor wenigen Jahren war die so genannte Hormonersatztherapie (HRT) für Frauen in den Wechseljahren das häufigste Mittel der Wahl gegen Wechseljahrebeschwerden. Wegen des damit verbundenen erhöhten Brustkrebsrisikos wird sie heute nur noch in medizinisch eng begrenzten Fällen empfohlen. Möglichst niedrig dosiert und nur so lange durchgeführt, wie starke Beschwerden bestehen, kann eine Hormonersatztherapie stark betroffenen Frauen sehr gut helfen.

Doch auch diese Frauen sollten keinesfalls auf die positiven Effekte des Sports verzichten. So kann eine Hormonersatztherapie dazu beitragen, dass sie den Mut zum Sport (wieder) finden. Die sportliche Bewegung führt dann möglicherweise dazu, dass die Hormonersatztherapie bald nicht mehr notwendig ist.

Fazit: So einschneidend viele Frauen die Wechseljahre erleben, kann in diese Zeit doch auch der Einstieg in eine sportliche Freizeitgestaltung fallen. Für die Vitalität und Gesundheit, und nicht zuletzt für ein neues erfülltes soziales Miteinander.

 

(Quelle: Korsten-Reck u.a.: Postmenopause und Sport. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 6/2006)

 
 

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