Leistungssport ist kein Gesundheitssport

... Professor Wilhelm Bloch, Jahrgang 1959, ist seit 2004 Leiter der Abteilung Molekulare und Zelluläre Sportmedizin am Kölner Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin. Der Mediziner beschäftigt sich vor allem mit sportmedizinischer Grundlagenforschung. Neben dem zentralen Themengebiet Sport und Herzkreislaufsystem arbeitet das Institut vor allem zum Metabolischen Syndrom, zu Tumorerkrankungen und Sport und zur Steuerung der Muskelentwicklung.

Ein Gespräch mit dem Sportmediziner Prof. Wilhelm Bloch


Gibt es eine Belastungsgrenze, ab der Sport nicht mehr gesund ist?
Seniorenleistungssport, bei dem vor allem Leistung und Wettkampf im Mittelpunkt stehen, ist im Allgemeinen kein Gesundheitssport. Verschiedene Studien zeigen, dass ein zusätzlicher Kalorienverbrauch durch Ausdauersport von bis zu 4000 Kalorien pro Woche den Blutgefäßen und dem Herzen zugute kommt. Gehe ich darüber hinaus, steigt dagegen das Risiko wieder, eine Herz-Kreislauferkrankung zu erleiden.
Mit anderen Worten: Verbrauche ich mehr als 4000 Kalorien pro Woche durch Sport, dient das im Prinzip nicht mehr meiner Gesundheit. Da beginnt häufig der Raubbau am Körper.

Wie wichtig sind Erholungsphasen für ältere Sportaktive?
Im Körper werden durch jedes Training Zellen abgebaut, die in der Erholungsphase wieder ersetzt werden. Das ist gut, denn dadurch erneuert sich der Körper beständig. Das heißt aber auch: Je höher die körperliche Belastung, desto länger muss ich regenerieren. Und das ist umso wichtiger, je älter ich werde, denn die Umbauprozesse des Körpers gehen im Alter deutlich langsamer vonstatten als in jungen Jahren.

Ist die Teilnahme an Marathonläufen Älteren überhaupt zu empfehlen?
Wenn man vernünftig trainiert und sich gut vorbereitet, ist der Marathon durchaus eine Strecke, die auch Ältere ohne nachhaltige Schädigungen bewältigen können. Der Körper braucht allerdings Wochen bis Monate, bis er sich von einer solchen Hochbelastung erholt hat.

Viele wissen nicht, dass ein Marathon durch die permanenten Stöße oft zu Mikrofrakturen der Bein- und Fußknochen führt. Je nach dem, wie ausgeprägt diese Knochenrisse sind, lassen sie sich noch bis zu vier Monaten nach einem Lauf feststellen. Hat mein Körper genügend Zeit sich zu erholen, baut er an den Frakturstellen den Knochen wieder schön auf und ist in seiner Struktur unter Umständen sogar stabiler als vorher.

Und wenn ich zu früh wieder in ein strammes Lauftraining einsteige?
Belaste ich meinen Körper zu früh, kann das zu einem Ermüdungsbruch führen. Der Grund: Wenn er zu wenig Zeit zur Erholung hat, verwendet er zur Reparatur der Frakturen zwar schnell zur Verfügung stehendes, aber minderwertigeres Material.

Das Gleiche gilt für die Muskulatur und die Sehnen, beispielsweise für die Achillessehne, die bei älteren Läufern durch Überlastung schnell reißen kann. Bei nicht ausreichender Erholungszeit werden die Muskeln und Sehnen in ihrer Struktur immer instabiler, bis es irgendwann zu einem Faser- oder Sehnenriss kommt.

Rächt sich übertriebener Ehrgeiz bei Ältern schneller als bei Jüngeren?
Übertriebener Ehrgeiz birgt immer die Gefahr, auch dann (zuviel) zu trainieren, wenn mein Körper nicht völlig in Ordnung ist. Das gilt sowohl für Jüngere als auch für Ältere. Bei einer Erkältung zum Beispiel ein normales Training durchzuführen ist gefährlich. Dadurch kann es zu einer Herzmuskelentzündung kommen, die im schlimmsten Fall mit einem plötzlichen Herztod endet oder zu einer bleibenden Herzschwäche führt. Für Ältere ist die Gefahr sogar noch größer, weil das Herz häufig schon eine unbemerkte Vorschädigung hat.

 
 

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