Sport gegen Demenz

© Foto: Weiler, Demenz-Servicezentrum NRW

Studien zeigen, dass regelmäßige sportliche Bewegung Demenzerkrankungen vorbeugen kann. Auch bereits Erkrankten tut die Bewegung gut.

»Wir tanzen wieder!« heißt das Projekt, das Stefan Kleinstück und Hans-Georg Stallnig ins Leben gerufen haben. Stefan Kleinstück ist Leiter des Kölner Demenz-Servicezentrums, Hans-Georg Stallnig ist Tanzlehrer. An einem Nachmittag im Monat kommen in den Räumen der ADTV-Tanzschule Stallnig-Nierhaus bis zu 30 Frauen und Männer jenseits der 60 Jahre zusammen, um zu tanzen. Gut die Hälfte von ihnen ist an Demenz erkrankt.

»Wo Not am Mann ist«, sagt Stefan Kleinstück, «stehen Hans-Georg Stallnig und ich den Damen als Tanzpartner zur Verfügung. Außerdem machen wir Gruppentänze, an denen man auch mit einem Rollator teilnehmen kann.« Dabei sei das Ganze nicht als klassischer Tanzkurs angelegt, bei dem das Tanzen erst erlernt werden müsste. Vielmehr gebe man der alten Freude an Tanz und Bewegung wieder einen Raum.

Einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden aus stationären Pflegeeinrichtungen zur Tanzschule gefahren. In den anderen Fällen kommen die Demenzkranken zusammen mit ihren Angehörigen. Ziel sei es, nicht nur den Demenzkranken, sondern auch ihren pflegenden Ehefrauen und Ehemännern etwas Gutes zu tun. »Ihnen geht es körperlich mitunter schlechter als den Erkrankten«, so Stefan Kleinstück. Und es funktioniert: »Ich sehe an diesen Nachmittagen immer strahlende Gesichter. Der Spaß am Tanzen lässt alle richtig aufleben.«

»Café Offerte«

Ein zweites Bewegungsprojekt des Demenz-Servicezentrums ist ein zweimal in der Woche stattfindendes Krafttraining im Gerontopsychiatrischen Zentrum des Alexandriner Krankenhauses Köln. Hier können Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen etwas für ihre Mobilität, Beweglichkeit und Muskelkraft tun. Im Anschluss sorgen geschulte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im so genannten »Café Offerte« stets für einen geselligen Ausklang des Trainings. Das Programm wurde nach »Fit für 100« zertifiziert.

Bewegung schützt und hilft

Das Engagement des Demenz-Servicezentrums in Sachen Sport und Bewegung kommt nicht von ungefähr. Der große Nutzen von gezielter körperlicher Aktivität für die Hirngesundheit ist wissenschaftlich erwiesen.

In einer Langzeitstudie aus Seattle in den USA mit mehr als 1700 Teilnehmern über 65 Jahren konnte gezeigt werden, dass sportliche Bewegung das Demenzrisiko erheblich senken kann. Jene Männer und Frauen, die weniger als dreimal in der Woche Sport trieben, erkrankten in den folgenden sechs Jahren zu 38 Prozent mehr an Demenz als jene, die mehr als dreimal in der Woche aktiv waren.

Andere Studien fanden heraus, dass sich das Risiko einer Demenzerkrankung umso mehr verringert, je höher die Belastungsintensität der regelmäßigen Bewegung ist, ansteigend etwa vom Gehen über Radfahren, Laufen und Schwimmen. Dieser Effekt geht auf die Tatsache zurück, dass die Hirngesundheit wesentlich von einer ungestörten Durchblutung abhängt – und die kann Sport am besten sicherstellen.
Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass intensive körperliche Aktivität auch die Neubildung von Hirngefäßen fördern kann, was das Fortschreiten einer bereits bestehenden Demenz unter Umständen verlangsamt.

Aus diesem Grund hat der Deutsche Olympische Sportbund verschiedene Ausbildungslehrgänge für Übungsleiter mit dem Schwerpunkt Demenz entwickelt und durchgeführt, so dass inzwischen auch Sportvereine Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen machen können.

Am besten mediterrane Kost

Doch nicht nur Sport allein kann das Demenzrisiko vermindern. Am effektivsten ist die Kombination aus mehr Bewegung und das Umschwenken auf eine mediterrane Kost. Das heißt: Mehr Fisch als Fleisch, und wenn Fleisch, dann mehr weißes (Geflügel) als rotes (Schwein, Rind, Lamm), mehr ungesättigte Fettsäuren (Olivenöl, Nüsse etc.) als gesättigte (Butter, Wurst etc.) und vor allem viel frisches Obst und Gemüse. Eine solche Ernährung kann das Alzheimerrisiko um bis zu 40 Prozent senken gegenüber einer Ernährung mit viel rotem Fleisch und wenig Obst und Gemüse.

Experten machen außerdem darauf aufmerksam, dass Nahrungsergänzungsmittel, die dem Körper etwa Vitamin E oder so genannte Omega-3-Fettsäuren zuführen sollen, auf das Demenzrisiko praktisch keinen Einfluss haben. Ganz anders die bereits erwähnte mediterrane Kost, die den Körper mit allen Vitaminen und Fettsäuren versorgt, die das Erkrankungsrisiko vermindern. Entscheidend ist nicht die zugeführte Menge an Vitaminen und Fettsäuren, sondern die gesamte Ernährungsweise.

 
 

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