Mit dem Hausarzt auf der Piste

Eine Walking-Gruppe der besonderen Art

Es ist kalt, es ist dunkel. Ein leichter Nieselregen durchweht die Abendluft im späten Oktober, aber die Damen und Herren, die sich im feschen Sportdress am Rheinufer versammelt haben, sind bester Laune. »Wir gehen bei jedem Wetter, Sommer wie Winter«, sagt eine Dame mit grau melierten Locken und wetzt fröhlich ihre Nordic-Walking-Stöcke. »Nur nicht wenn’s blitzt und hagelt.«

»Jetzt, da es früher dunkel wird«, ergänzt eine Sportkollegin, »bleiben wir auf dem befestigten Weg, der beleuchtet ist. Sonst gehen wir unten am Rheinufer entlang, durch die Auen oder auch mal die große Runde über zwei Brücken.«

Wie jeden Montagabend um 18:15 treffen sich zehn bis zwölf Frauen und Männer zwischen 20 und 70 Jahren zum Walken. Gelegentlich sind es mehr abendliche Walkerinnen und Walker, manchmal auch weniger. Der Altersschnitt liegt um die 50 Jahre, einige sind schon seit mehr als fünf Jahren dabei, andere sind kürzlich erst zur Gruppe gestoßen. Ein buntes Grüppchen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Spaß am gemeinsamen Sport haben. Außerdem hat den meisten ihr Hausarzt dringend geraten, in den Gesundheitssport einzusteigen. Und nicht nur das: Der Hausarzt ist sogar jeden Montagabend mit von der Partie.

»Er passt auf uns auf.«

Wer hat schon seinen Hausarzt dabei, wenn sie oder er die Beine und Stöcke schwingt? Dr. med. Jürgen Gleske, Arzt für Allgemeinmedizin, liegt der Gesundheitssport sehr am Herzen. Das liegt unter anderem daran, dass er im ersten Beruf  Diplomsportlehrer mit dem Schwerpunkt Rehabilitation war. Die Idee zu dem Kursangebot kam ihm vor einigen Jahren. Damals suchte er nach niedrigschwelligen Sportangeboten für seine Praxispatienten und wurde nicht fündig.

»Wir treffen uns hier am Rheinufer im Freien, brauchen also keine Räume anzumieten«, sagt er. »Die meisten haben kurze Anfahrtswege, weshalb der organisatorische Aufwand für jeden recht gering ist. Außerdem werden die Kursgebühren bei den meisten von den Krankenkassen übernommen.«

Und wie ist es, mit dem eigenen Hausarzt walken zu gehen? »Oh«, sagte eine Teilnehmerin und lacht, »er nimmt uns ganz schön ran. Er achtet zum Beispiel immer darauf, dass wir das Tempo ordentlich variieren, und er passt auf, dass sich niemand überfordert und seinen Belastungspuls im Blick behält.«

Weniger Medikamente

Niemandem in der Runde ist anzusehen, dass der Arzt ihr oder ihm den Sport aus gesundheitlichen Gründen nahegelegt hat. Anders als überflüssige Fettpolster sind hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, eine Herzschwäche oder Gelenkarthrosen von außen nicht sichtbar. Mit dabei sind auch Tumorpatienten, denen das wöchentliche Walken nach einer Chemo- oder Strahlentherapie hilft, wieder zu Kräften zu kommen – körperlich und seelisch.

»Ich freue mich«, sagt Jürgen Gleske, »dass einige in der Gruppe inzwischen mit weniger Medikamenten auskommen und ihren Bluthochdruck oder Diabetes in den Griff bekommen haben. In manchen Fällen konnten die Medikamente sogar abgesetzt werden.«

»Mit der Zeit«, berichtet ein Teilnehmer, »machen einem gelegentlich schlechte Wetterbedingungen nichts mehr aus. Außerdem baut man von Woche zu Woche mehr Fitness auf, die Kondition verbessert sich. Die Gesundheit wird insgesamt stabiler, zumal wir zwischendurch immer auch Dehn-, Beweglichkeits- und Kraftübungen machen, um unter anderem der Wirbelsäule und den Gelenken was Gutes zu tun.«

Weder unter- noch überfordern

Voraussetzung für die Teilnahme an dem Kurs ist ein sportärztlicher Gesundheits-Check. Dabei wird unter anderem der persönliche Belastungspuls ermittelt, so dass sich die Walkerinnen und Walker beim Training weder unter- noch überfordern. »Der Doktor hat uns beigebracht, wie wir unseren Puls ermitteln können«, sagt eine Teilnehmerin, legt einen Finger auf die Halsschlagader und schaut dabei auf ihre Armbanduhr. »So können wir zwischendurch immer kontrollieren, ob wir uns im richtigen Bereich bewegen.«

Ein bisschen Theorie

Zum Kurskonzept gehören auch zwei so genannte Theorieabende. An einem Abend erzählt Jürgen Gleske seinen Patienten etwas über die Bedeutung von Sport und Bewegung für die körperliche und seelische Gesundheit, am zweiten Abend gibt er Tipps und Informationen zur ausgewogenen und altersgemäßen Ernährung.

Natürlich möchte der ein oder die andere auch ein paar überflüssige Pfunde abnehmen. »Einige nehmen nach einer gewissen Zeit ein paar Pfund ab, vor allem um den Bauch, was besonders wichtig ist für die Männer«, berichtet Jürgen Gleske. »Die regelmäßige sportliche Bewegung erhöht natürlich den Kalorienverbrauch. Einen ebenso großen Anteil an der Reduzierung von Übergewicht hat aber immer auch eine bewusstere Ernährung und das Einschränken von Alkohol und Süßem.«

Zusammen mit seiner Frau bietet Jürgen Gleske an anderen Tagen noch weitere Gruppen an. »Der Montagsgruppe aber«, sagt er, »fühlen meine Frau und ich uns sozusagen auch als Mitglieder zugehörig. Viele sind schon seit Jahren dabei, und man kennt sich gut. So ist die Gruppe gewissermaßen auch Teil unserer Freizeit geworden.«

 
 

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