Forschung und Entwicklung im Seniorensport

Erst spät konnte Alterssport als Thema der wissenschaftlichen Forschung eine adäquate Position finden. In Westdeutschland legte Neumann 1976 erstmals einen Bericht über "Art, Maß und Methode von Bewegung und Sport bei älteren Menschen" vor, darauf folgend bot die 1980 von Meusel u.a. im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft erstellte Dokumentationsstudie "Sport im Alter" einen ersten fundierten Überblick über den bis dahin erreichten Forschungsstand.

In den achtziger Jahren gab es eine intensivere sportwissenschaftliche Forschung in der "Kölner Schule" (z.B: Hollmann, Liesen, 1985) und in der grundlegenden Arbeit von Prokop/Bachl (1984) sowie weitere Arbeiten zum Alterssport (z.B. Kapustin, 1980; Singer, 1981; Meusel, 1988; Jakobie&Rösch, 1990). Zunehmend wurden nun an einer Reihe von deutschen Universitäten und Hochschulen Sport- und Bewegungsaktivitäten des älteren Menschen Gegenstand unterschiedlich akzentuierter sportwissenschafttlicher Forschung und auch entsprechender Lehrveranstaltungen.
Institutionell und personell bildeten sich Schwerpunkte heraus, so in Erlangen-Nürnberg (Baumann, Leye), Heidelberg (Rieder, Werle, Huber, spez. Bereich von Behinderung und Rehabilitation), Köln (Allmer, Teipel, Tokarski), Gießen (Meusel), Bayreuth (Brehm, Abele), Jena (Kirchner) und Bonn (Mechling, Denk, Pache), wo 1990 der erste grundständige Studiengang für Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Alterssport eingerichtet wurde. In der DDR wurde Alterssport - wie der Erwachsenensport insgesamt - primär in seiner Bedeutung für die Arbeitsproduktivität gesehen. Die in der Tradition von Bürger (1947) durch Ries (z.B. 1966, 1983 und 1988), Strauzenberg (1977) und Israel (1988) weiterentwickelte Arbeitsmedizin stellte zwar die Bedeutung von Bewegungs- und Sportaktivitäten für das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Älteren in den Blickpunkt, doch eine flächendeckende Ausbreitung scheiterte vor allem an den anders akzentuierten Prioritäten: die dominante Stellung des Wettkampf- und Spitzensports und den begrenzten Ressourcen für den Freizeitsport.

Gleichzeitig zu den o.g. Forschungen in der Sportwissenschaft hatte die Gerontologie (aufbauend auf Studien in den zwanziger und dreißiger Jahren in den USA) zunächst Modelle und Theorien entwickelt, die davon ausgingen, dass Alter maßgeblich durch fortschreitende körperliche, geistig-intellektuelle und emotionale Funktionsverluste gekennzeichnet sei. Diese Ergebnisse wurden die Grundlage für verschiedene Defizit-Modelle des Alters, die bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg wirksam blieben. Erst zu Beginn der zweiten Jahrhunderthälfte gab es einen "Paradigmenwechsel" in der Fragestellung der Psychogerontologie: Im Vordergrund stand nun die Erforschung der Grundlagen und Möglichkeiten eines erfolgreichen (optimalen) Alterns mit einem hohen Maß an (subjektiver) Lebenszufriedenheit (Baltes&Baltes, 1989). In neuerer Zeit wird vor allem das inidividuelle Erleben und Verhalten im Alter herausgestellt (Thomae, 1998; Kruse 1991). Alter wird als lebenslanger Prozess gesehen.
Im wiedervereinten Deutschland wird dem Sportreiben Älterer auch aufgrund der demographischen Entwicklung zunehmend Wichtigkeit zuerkannt. Das kommt auch in der steigenden Zahl einschlägiger Dissertationen, Habilitationen und der Durchführung von Kongressen und Symposien zum Rahmenthema Alterssport zum Ausdruck.

(vgl. Denk,H.; Pache,D.; Schaller,H-J.: Handbuch Alterssport, Schorndorf 2003)

 
 

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