Geschichte des Seniorensports in Deutschland

Bis zum ersten Weltkrieg dominierte das Turnen in der Tradition Jahns in Deutschland. Dabei spielten Ältere kaum eine Rolle, die körperliche Erziehung der Jugend stand im Vordergrund. Lediglich bei den nationalen Deutschen Turnfesten traten Musterriegen der älteren gewordenen Turner, d.h. der über 35-jährigen, auf.

In den Zeiten der Weimarer Republik gab es Angebote für Ältere wenn überhaupt vor allem in den Turnverbänden. Der mit dem Turnen konkurrierende Sport wurde in Deutschland beliebter und bezog die Zielgruppe der Älteren nur am Rande mit ein. Der Sportwissenschaftler Carl Diem formulierte erstmals im Jahr 1923 Perspektiven für einen Alterssport, den er jenseits der Vierzig mit einem weiteren Alterseinschnitt im 60. Lebensjahr platzierte. Er plädierte dabei für ein nach Inhalten und Quantitäten reduziertes Üben ohne maximale Anstrengung.

Trotz solcher Ansätze bliebt der Alterssport in der Weimarer Republik wie später auch im Nationalsozialismus eine periphere Erscheinung.
Beim Wiederaufbau des Sports nach 1945 wurde zwar das Altersturnen für die ab 40-jährigen im Turnerbund institutionalisiert, ansonsten war es jedoch kein Thema, ältere Menschen in die Sportpraxis einzubeziehen.

In Westdeutschland wurde 1959 beim Bundestag des Deutschen Sportbundes erstmals beschlossen, mit dem Aufbau des sogenannten �Zweiten Wegs� bislang unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen für den gesundheits- und freizeitorientierten Sport zu gewinnen.
In den Siebziger Jahren ließ sich in Sportpraxis und Sportwissenschaft eine verstärkte Zuwendung zur Zielgruppe der Älteren erkennen. In den Sportverbänden ist hierbei vor allem der Deutsche Turner-Bund als Vorreiter zu nennen, in einigen Fachverbänden wurde vor allem der leistungsorientierte Alterssport mit eigenen Wettkämpfen und Meisterschaften gefördert.
Über die Sportverbände hinaus nehmen sich bis heute karitative Verbände (insbesondere das Deutsche Rote Kreuz), Volkshochschulen, Kommunen und die Kirchen der Förderung der Bewegungsaktivitäten der Älteren als Aufgabe an.

In den Achtziger Jahren beginnt dann unter dem Eindruck des demographischen Wandels eine systematische Förderung des Alterssport durch den Deutschen Sportbund, die Landessportbünde und die meisten Fachverbände. Auch die sportmethodische Literatur öffnet sich nun für das neue Aufgabenfeld und bietet gezielt Hilfen für die praktische Gestaltung des Alterssport an.

In der DDR war es vor allem die Volkssolidarität, die Alterssportangebote bereitstellte, da der Schwerpunkt des DTSB vor allem auf dem Wettkampf- und Spitzensport sowie der Gesunderhaltung der erwerbstätigen Bevölkerung lag.

Quellen:
Denk,H.; Pache,D.; Schaller, H.-J.: Handbuch Alterssport, Schorndorf 2003
Luh,A.: Seniorensport in Deutschland, In: Sportzeiten, Heft 3/2004 und Heft 1/2005, Göttingen

 
 

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