Senioren und Antidoping

Schnell wurde klar, dass hier ein besonderer Informationsbedarf besteht. Denn die positiven Befunde waren weniger auf vorsätzliche Medikamenteneinnahme zur Leistungssteigerung zurück zu führen, als vielmehr auf die unbedachte Anwendung vom Arzt verschriebener Medikamente, ohne vorher eine medizinische Ausnahmegenehmigung eingeholt zu haben. Den Freizeit- und Wettkampfsportlern war dies schlichtweg nicht bewusst.

Sehr schnell haben die Senioren selbst reagiert und eine Interessengemeinschaft „proMASTERs“ gegründet, die sich diesem Problem besonders annahm. Sie brachte die Vaterstetter Erklärung heraus, mit deren Unterschrift sich die Athleten gegen jede Form der Leistungsmanipulation und für einen sauberen Seniorensport aussprechen. Inzwischen haben mehr als 1000 Athleten aus 28 Nationen diese Erklärung unterzeichnet. Weiterhin betreibt proMASTERs eine eigene Internetseite und informiert dort regelmäßig über Neuerungen und Änderungen und hat speziell einen Beratungsdienst eingerichtet. Von großem Nutzen ist der in sechs Sprachen angebotene Service „FINDEX“. Dieser gibt Auskunft über verbotene Wirkstoffe in gebrauchsüblichen Medikamenten. Darüber hinaus hat die Initiative den sogenannten Arno-Euro eingeführt (benannt nach dessen „Erfinder“ Arno Hamaekers). Dieser Euro ist eine Sonderabgabe zusätzlich zur Meldegebühr, die ausschließlich zur Finanzierung von mehr Dopingkontrollen im Seniorensport verwendet wird.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat speziell für die Seniorensportler ein Anti-Doping-Handbuch herausgegeben, in dem die wichtigsten Grundlagen, Hinweise und Informationen zum Thema Doping, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel im Seniorensport niedergeschrieben sind. Regelmäßig gibt es im monatlichen Anti-Doping-Newsletter Informationen über Änderungen und aktuelle Hinweise sowie fortlaufend die Einreichungsfristen für TUE-Anträge für die aktuell bevorstehenden Wettkämpfe. Bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften betreibt der Deutsche Leichtathletik-Verband  einen eigens dafür eingerichteten Informationsstand (siehe Bild), der von fachkundigem Personal betreut wird. Die meisten Anfragen und Gespräche drehen sich hier um das Thema Medikation und medizinische Ausnahmegenehmigung. Diese Informationsmöglichkeit wird sehr gut angenommen. Desweiteren sollen die zahlreichen Dopingkontrollen bei den Deutschen und Internationalen Seniorenmeisterschaften nicht unerwähnt bleiben.

All diese Initiativen und Aktionen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, proMASTERS, aber auch der EVAA mit ihrem Präsidenten Dieter Massin an der Spitze sowie der Zeitschrift „Seniorenleichtathletik“ mit einer monatlichen Sonderseite und Beiträgen u.a. von Rechtsanwalt und ehemaligem Anti-Doping-Beauftragten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Rüdiger Nickel, zeigen Erfolg. Seit 2006 war kein Dopingfall mehr zu verzeichnen. Deutsche Seniorenleichtathleten stellen mit einem Anteil von 80% der TUE-Anträge die größte Gruppe. Das zeigt, dass die Athleten sensibilisiert wurden und bei Fragen direkt mit Ärzten, dem Deutschen Leichtathletik-Verband und der Nationalen Anti-Doping-Agentur Kontakt aufnehmen. Die ursprünglich bei vielen vorhandene Denkweise „mein Arzt hat mir das doch verschrieben“ ist gewichen und hat zu einer Neuorientierung im Umgang mit Medikamenten geführt. Eine sehr positive Entwicklung.

 
 

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