Höhere Verletzungsgefahr im Alter?

Copyright Andrea Bowinkelmann, LSB NRW

Mit dem Alter will der Körper häufiger nicht mehr wie er soll. Dennoch kommt es bei älteren Sporttreibenden eher selten zu Verletzungen. Das liegt vor allem an der Besonnenheit des Alters.

Natürlich: Die Kraft lässt nach, weil der Körper jenseits der 50 beständig Muskulatur abbaut und sie durch Fettzellen ersetzt. Man ermüdet schneller, wird träger und langsamer, was unter anderem zur Folge hat, dass Bänder und Sehnen die Knochen weniger positiv beanspruchen. Dies trägt dazu bei, dass sich langfristig die Knochendichte und damit die Knochenstabilität vermindern.

Und damit nicht genug: Die Knorpelschichten der Gelenke verknöchern, die Bandscheiben werden spröde, die Muskeln werden leichter gezerrt. Kommen Bewegungsmangel und Übergewicht hinzu, treten vermehrt schmerzhafte Verschleißerscheinungen wie Arthrosen auf.

Das alles klingt nicht gerade nach günstigen Voraussetzungen für sportliche Aktivitäten, die dem Erhalt der Gesundheit dienen sollen. Doch ist der Seniorensport mitnichten besonders verletzungsträchtig. Im Gegenteil.

Stolpern und Stürzen

Eine repräsentative Studie an der Universität Heidelberg kam nach einer Auswertung des „Bundes-Gesundheitssurvey 1998“ zu folgenden Ergebnissen:

  • Sportverletzungen sind nach Unfällen im Haushalt, am Arbeitsplatz und auf dem Weg dorthin die dritthäufigste Verletzungsursache.
  • Rund 3 Prozent aller in die Untersuchung einbezogenen Männer und Frauen hatten in den vergangenen zwölf Monaten eine Sportverletzung erlitten. In der Gruppe, die mindestens eine Stunde Sport pro Woche ausübte, erhöhte sich die Zahl der Sportverletzten sogar auf rund 6,5 Prozent.
  • Gut zwei Drittel der Sportverletzungen entfielen auf Verrenkungen, Verstauchungen und Bänderdehnungen bzw. Bänderrisse – gefolgt von Knochenbrüchen (ca. 19 Prozent) und äußeren Wunden (ca. 13 %).
  • Etwa 80 Prozent der Sportverletzungen waren die Folge eines Stolperns oder Sturzes.
  • Männer waren von Sportverletzungen rund dreimal häufiger betroffen als Frauen. Als besondere „Risikogruppe“ für Sportverletzungen erwies sich die Gruppe der Männer unter 30 Jahren.
  • Und es zeigte sich, dass die Häufigkeit von Sportverletzungen mit dem Alter kontinuierlich abnahm. Von den sportlich aktiven Männern unter 30 Jahren waren rund 9 Prozent von Sportverletzungen betroffen, von den über 60jährigen nur 1,5 Prozent.

Diese Tendenz bleibt bestätigt sich übrigens auch dann, wenn berücksichtigt wird, dass Ältere weniger Sport betreiben als Jüngere. Das heißt: Ältere Sportaktiven verletzen sich nicht nur absolut, sondern auch relativ weniger häufig. (Quelle: Berenike Seither: Sportverletzungen in Deutschland. Eine repräsentative Studie zu Epidemiologie und Risikofaktoren. Dissertation 2008).

Nachlassende Reflexe

Die Gründe für die verhältnismäßig geringe Häufigkeit von Sportverletzungen bei Älteren liegen auf der Hand. Ältere Sportaktive bevorzugen eher ruhigere Sportarten mit weniger Körperkontakt zu Mitspielern, sie kennen ihren Körper besser und gönnen ihm bei Bedarf mehr Schonung. Außerdem bewegen sie sich insgesamt langsamer und besonnener.

Ältere Menschen tun dies meist ganz intuitiv. Nicht nur die Maximalkraft nimmt mit der Zeit ab. Nach dem 65. Lebensjahr vermindert sich mit jährlich ein bis zwei Prozent auch und etwa doppelt so stark die so genannte Schnellkraft. Und erst die Schnellkraft befähigt den Körper zu reflexartigen Bewegungen, mit denen er, kommt er ins Stolpern, einen Sturz vielleicht noch vermeiden kann. (Quelle: Granacher und Gollhofer: Auswirkungen des Alterns auf die Schnellkraftfähigkeit und das Reflexverhalten. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 3/2005)

Was im hohen Alter tatsächlich zu mehr Sturzunfällen führt, gemahnt in den Jahren zuvor schon zu mehr Vorsicht. Mit ausreichender Bewegung, bei der auch die Koordinationsfähigkeit trainiert wird, bleiben dann auch im fortgeschrittenen Alter die notwendigen Reflexe weitgehend erhalten.

Weniger Sport, weniger Verletzungen?

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass wer wenig oder keinen Sport treibt, auch weniger oder keine Sportverletzungen erleidet. Legt man jedoch das im Alter ansteigende Verletzungsrisiko durch Stürze im Haushalt zugrunde – da ist sich die Fachwelt einig – stärkt und schützt sportliche Bewegung den Körper insgesamt mehr, als dass ihn mögliche Sportverletzungen gefährden.

Immer vorausgesetzt natürlich, die Besonnenheit des Alters obsiegt über die alte (männliche) Rekordlust.

 
 

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