Wer Gerda und Heinrich Ricken besuchen möchte, braucht eine gute Kondition. Ihre Wohnung liegt im vierten Stock eines großstädtischen Altbaus mit schönen hohen Decken, und es gibt keinen Aufzug. Für die beiden 62-jährigen ist das kein Problem, obwohl allein Heinrich Ricken bei stattlichen Einsdreiundneunzig gute 115 Kilogramm fortzubewegen hat. Sie übertreiben es nicht mit dem Sport, betonen beide. Doch offenbar tun sie genug, um fit zu sein wie der sprichwörtliche Turnschuh.

Sport als gesellige Freizeitgestaltung

Seit sie vor einem Jahr gemeinsam in den Vorruhestand getreten sind (»weil wir noch viel zusammen machen wollen«), stehen jeden Morgen nach dem Aufstehen zwanzig Minuten rückenbezogene Gymnastik auf dem Programm. Im Laufe des Tages folgt entweder noch ein Spaziergang oder eine kleine Tour auf dem Fahrrad.

Gerda Ricken geht dazu einmal in der Woche zum Schwimmen mit anschließender Wassergymnastik, Heinrich Ricken hat sich vor 15 Jahren für den Golfsport entschieden. Jeden Dienstag gehen sie zusammen in die Sauna, und übers Jahr verteilt finden sie sich regelmäßig mit Freunden für je eine Woche zum Wandern und zu einer Radtour ein. Ein durchaus stolzes Programm, bei dem es ihnen jedoch weniger um die sportliche Leistung, als um die aktive Freizeitgestaltung geht.

Kennen gelernt haben sie sich vor 37 Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff im östlichen Mittelmeer. Zwei Jahre später haben sie geheiratet und bald mit dem jährlichen Wandern und Radfahren angefangen. »Gesellig wie wir sind, haben wir dafür mit Freunden sogar einen eigenen Verein gegründet«, sagt Heinrich Ricken. »Inzwischen gehen wir mit dieser festen Truppe fast dreißig Jahre lang auf Tour.«

Gerda: »Der Leistungsdrill wurde mir zuviel«

Die gebürtige Niederländerin und ehemalige Fremdsprachensekretärin Gerda Ricken war bis zu ihrem 14. Lebensjahr Turnerin und Leistungsschwimmerin. Doch dann verdarben ihr nicht nur zunehmende Rückenschmerzen die Freunde am Sport, sondern auch der Leistungsdrill ihrer Trainer. »Ich sollte jeden Morgen vor der Schule eine Stunde schwimmen«, erinnert sie sich. »Außerdem sollte ich meine Ernährung umstellen, und das wurde mir alles zuviel.«

Die Rückenschmerzen blieben und begleiten Gerda Ricken bis heute. Mit Anfang 40 wurden die Schmerzen so stark, dass sie sich einer Bandscheibenoperation unterziehen musste. »Seit dem mache ich jeden Morgen Gymnastik, wodurch ich kaum noch Probleme mit dem Rücken habe. Setze ich allerdings mal ein paar Tage damit aus, melden sich gleich wieder die Schmerzen.«

Heinrich: »Ich war schon immer recht stabil«

Ehemann Heinrich ist erst seit einem Jahr morgens mit von der Partie. Seit nämlich auch er an den Bandscheiben operiert werden musste. »Mir war das früher immer zu stressig, vor der Arbeit so ein Programm zu absolvieren. Jetzt merke ich, dass ich durch die Gymnastik viel besser in den Tag komme und mich körperlich ausgeglichener fühle.«

Als »Sportskanone« hätte sich Heinrich Ricken früher nie bezeichnet. »Ich war schon immer recht stabil«, sagt er. Schon mit sechzehn Jahren habe er 100 Kilogramm auf die Waage gebracht. Sein sportlicher Ehrgeiz beschränkte sich daher auf gelegentliches Radfahren und Badengehen. Erst spät entdeckte er seine Leidenschaft für Golf, was dem langjährigen Kommunalbeamten bis heute regelmäßig viele Stunden an der frischen Luft und eine gute körperliche Koordination beschert.

Statt Diät: Kalorienzufuhr insgesamt verringert

Beide würden gern ein paar Kilo weniger wiegen, möchten sich dafür aber nicht quälen müssen. »Wir machen regelmäßig den Gesundheits-Checkup, und unsere Hausärztin ist recht zufrieden mit uns«, berichtet Heinrich Ricken. »Mein Blutdruck ist etwas zu hoch, wogegen ich Medikamente nehme. Und wegen meiner etwas erhöhten Cholesterinwerte achten wir inzwischen besonders auf eine ausgewogene Ernährung.«

»Bis vor ein paar Jahren haben wir ab dem 1. Januar jedes Jahres eine vier- bis sechswöchige Fastenzeit eingelegt«, erzählt Gerda Ricken. »Aber die verlorenen Pfunde waren am Ende des Jahres immer wieder drauf. Weil dieser Jojo-Effekt nicht gut ist, machen wir jetzt keine Fastenzeit mehr. Statt dessen haben wir die tägliche Kalorienzufuhr reduziert und trinken zum Beispiel weniger Alkohol als früher.«

»Ich habe auch schon mal 125 Kilo gewogen«, gibt Heinrich Ricken unumwunden zu. »Das war eindeutig zu viel, und ich habe mich nicht wohlgefühlt. Aber bei all dem Sport und der bewussten Ernährung muss noch ein gutes Leben rauskommen, und so lange meine Hausärztin mit mir zufrieden ist, sind Sport und Bewegung für mich in erster Linie ein Zeitvertreib in der Gesellschaft netter Menschen.«

Fit im Unruhestand

Gerda und Heinrich Ricken wurden seit Jahren nicht mehr von einer schlimmen Erkältung niedergestreckt, wozu die regelmäßigen Saunabesuche sicherlich ihren Beitrag leisten. Sie genießen ihren »gemeinsamen Unruhestand« und schlagen auch keine Einladung für einen Abend mit gutem Essen und Wein aus. So lange sie ohne großes Schnaufen in den vierten Stock ihres Wohnhauses gelangen, werden sie immer wissen, dass sie sich im Großen und Ganzen auf der sicheren Seite bewegen.

 
 

Olympia Partner

Sport für Alle Partner

Olympia Partner

Sport für Alle Partner