»Ältere dürfen ruhig ein bisschen Speck haben.«

Gespräch mit dem Sportmediziner Prof. Wilhelm Bloch

Was raten Sie Neu- und Wiedereinsteigern für das Training?

Wichtig ist, das Training langsam aufzubauen. Am besten schaut man am Anfang gar nicht auf die Uhr und setzt sich keine speziellen Leistungsziele. Das hilft, in den Körper hineinhorchen und auf seine Signale zu achten.

Wenn etwas weh tut, sollte man sich nicht durchbeißen. Wiedereinsteiger kennen das vielleicht noch aus ihrer früheren aktiven Zeit, als das Motto galt: Nur wenn’s wehtut, hat es einen Trainingseffekt. Das stimmt nicht. Um sich nicht falsch zu belasten, empfehle ich außerdem ein sportärztliche Untersuchung.

Was bringt der Sport-Check?

Zum einen kann ich damit die Grenzen meiner Belastbarkeit bestimmen. Ich erfahre auch, in welchem Belastungsbereich ich am meisten für meine Gesundheit tun kann. Zum anderen können eine Reihe von Vorschädigungen entdeckt werden, von denen ich noch gar nichts wusste. Vielleicht sind meine Herzkranzgefäße geschädigt, was sich bislang nicht bemerkbar gemacht hat. Unter plötzlicher Belastung können die Herzkranzgefäße nun aber mein Herz nicht mehr ausreichend versorgen, und so kommt es zu einer Schädigung. Auch das bemerke ich noch nicht unbedingt. In der Folge wird mein Herz immer mehr geschwächt, bis es vielleicht einen Infarkt erleidet.

Was ist mit hohem Blutdruck.

Auch hier ist es so, dass viele Betroffene von ihrem Bluthochdruck nichts wissen. Bei Sportarten, bei denen es auf Schnelligkeit und Kraft ankommt, kann Bluthochdruck zum Problem für die Gefäße und das Herz werden. Deshalb ist es wichtig, sich vorher vom Arzt mit Medikamenten entsprechend einstellen zu lassen. Dann kann ich als Bluthochdruckpatient auch normal trainieren und nach einer gewissen Zeit vielleicht sogar die Medikamente wieder absetzen.

Ist Sport auch gut für den Kreislauf?

Als vorteilhaft für die Blutgefäße gilt insbesondere ein Trainingspuls zwischen 70 und 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Das beugt hohem Blutdruck und Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße vor. Ein Wert von um die 65 Prozent dient auch als Richtschnur in der Rehabilitation, etwa nach einer Herzerkrankung. Natürlich nur unter ärztlicher Aufsicht.

Was halten Sie von der Faustformel 180 maximale Herzfrequenz minus Alter?

Nehmen wir einen gesunden 60jährigen, dann bewegt sich nach dieser Formel der empfehlenswerte Trainingspuls bei 120 pro Minute. Das entspricht etwa 65 Prozent der pauschal angenommenen maximalen Herzfrequenz. Das wäre in Ordnung.

Für Ältere ist es aber besser, die exakte maximale Herzfrequenz zu bestimmen. Zumal man sagen muss, dass man für einen gesundheitsdienlichen Trainingspuls von 60 bis 65 Prozent eine ganze Weile trainieren muss.

 
 

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