»Nur so ein bisschen rumplantschen oder laufen, das machen wir nicht«, sagt Schwimmerin Gerda Fontes, Jahrgang 1944. »Wir betreiben unseren Sport immer noch mit Zielen und nach Trainingsplan, pflichtet ihr Ehemann Roger Fontes bei, Jahrgang 1942, Exprinter und seit einiger Zeit Langläufer.
Kennengelernt haben sich Gerda und Roger Fontes 1961 in der Tanzschule. Die damals 17jährige gehörte zu den Jahrgangsbesten auf ihrer Speziallage 100 m Rücken. Er konnte zwar mit 19 noch nicht schwimmen (»das hat sie mir dann beigebracht«), war aber ein richtig guter 100m-Läufer. Als Kinder Leistungssport treibender Eltern waren beide von klein auf Mitglieder in Sportvereinen. Was auch für den eigenen Nachwuchs gilt, der sich gegen Ende der 60er Jahre einstellte. Der eine Sohn wurde Wettkampfschwimmer wie die Mutter, der andere verlegte sich aufs Wettkampfrudern.
»Ich wiege immer noch soviel wie mit 20«
Roger Fontes hat die 65 längst überschritten, aber tief im Herzen ist er unverändert Leistungssportler. Zwar richtet er seine sportlichen Ziele inzwischen danach aus, was er seinem Körper vernünftigerweise noch zumuten kann. Aber den sportlichen Wettkampf sucht er nach wie vor gerne.
»Bis zu meinem 21. Lebensjahr habe ich richtigen Leistungssport betrieben«, erzählt der 1,69 Mann, der wie damals gerade mal 62 kg auf die Waage bringt. An ihm findet sich kein Gramm Fett. »Doch als die Kinder kamen, haben wir beide mit dem Leistungssport praktisch aufgehört. Zehn Jahre später hatte ich 82 kg drauf und dachte ständig darüber nach, dass ich mal wieder was tun müsste. Allerdings blieb es bei den guten Vorsätzen.«
Eines Tages jedoch, berichtet er, sei er einmal mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, und da sei ihm die hintere Hosennaht geplatzt. »Das war der letzte Schubser, den ich brauchte. Ab sofort galt nur noch FdH. Da habe ich Kohldampf geschoben ohne Ende und neben dem Sprint mit dem Langlauf angefangen.«
Es dauerte nicht lange, da purzelten die Pfunde, und er stieg aufs neue in den Leistungssport ein. »Mit 32 lief ich die 100 Meter wieder in 12 Sekunden, die 200 in 25 Sekunden. Das machte richtig Spaß.« Seitdem hat er in jedem Jahr das Deutsche Sportabzeichen abgelegt, wofür er, wie er nicht ohne Stolz betont, »nicht mal trainieren muss.«
»Irgendwann musst du auf deinen Körper hören«
Als er die 50 überschritt, machten ihm zunehmend Verletzungen zu schaffen. »Wenn du immer Leistungssport gemacht hast, meldet sich dein Körper irgendwann und sagt, dass er das so nicht mehr will. Dann musst du auf ihn hören.« Weil es beim Sprint immer mehr »zwickte und zwackte«, konzentrierte er sich nun ganz auf die Mittel- und Langstrecke – natürlich nicht ohne ehrgeizige Ziele: Die 5000 Meter versucht er heute immer noch unter 24, die 10.000 in 48 Minuten zu laufen.
Zum Training geht er fünf mal zwei Stunden in der Woche: Vier bis fünf Kilometer einlaufen, fünfzehn Minuten Laufschule mit Skippings, Dribblings, Kniehebeläufen, Anfersen und Wechselsprüngen für die Koordination. Dann 30 Minuten lang Sprints mit Gehpausen oder Pyramidenlaufen, danach zehn bis 15 Minuten Gymnastik, noch einen Kilometer auslaufen, »anschließend duschen und ein, zwei Bierchen trinken.« Im hauseigenen Fitnesskeller betreibt er außerdem drei bis vier Mal in der Woche Krafttraining.
Vor ein paar Jahren noch sei er auf beiden Laufstrecken um einige Minuten schneller gewesen. Aber das war vor seiner Knie-OP, die wegen Knorpelschäden nötig geworden war. »Außerdem hat man bei mir eine Herzklappenverkalkung festgestellt, die wahrscheinlich auf eine verschleppte Erkältung zurückgeht.«
Freimütig gibt er zu, dass ihn eine Erkältung früher nicht vom Training abhalten konnte. »Da galt das Motto: ‚Nur die Harten kommen in den Garten’. Inzwischen bin ich zwar nicht unbedingt vernünftiger, aber doch einsichtiger geworden«, sagt er mit einem Augenzwinkern. »Eine Erkrankung kuriere ich jetzt vollständig aus, dann baue ich das Training langsam wieder auf. Außerdem gehe ich jedes Jahr zum Gesundheits-Check.«











